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  • DAS BUCH BARUCH
  • Bar 6

Der Brief des Jeremia

61Dies ist die Abschrift des Briefes, den Jeremia an die gesandt hat, die von dem König von Babel nach Babel gefangen weggeführt werden sollten, worin er ihnen verkündigte, wie es ihm Gott befohlen hatte.

2Wegen eurer Sünden, die ihr gegen Gott begangen habt, werdet ihr nach Babel gefangen weggeführt werden von Nebukadnezar, dem König von Babel.

3Und ihr werdet in Babel bleiben müssen viele Jahre und eine lange Zeit bis zum siebenten Geschlecht; danach will ich euch von dort wieder herausführen mit Frieden.

4Nun werdet ihr aber in Babel sehen, dass man auf den Schultern die silbernen, goldenen und hölzernen Götzen tragen wird, vor denen sich die Heiden fürchten.

5Darum seht euch vor, dass ihr ihnen das nicht nachtut und den Heiden nicht gleich werdet und Furcht vor den Götzen auch euch ergreift.

6Und wenn ihr seht, wie das Volk vor und hinter den Götzen hergeht und sie anbetet, so sprecht in eurem Herzen: Herr, dich soll man anbeten!

7Denn mein Engel ist bei euch und will euer Leben erhalten.

8Ihre Zunge ist vom Künstler fein gemacht; sie selbst sind mit Gold und Silber überzogen; aber sie sind Truggebilde und können nicht reden.

9Sie schmücken sie mit Gold wie ein putzsüchtiges Mädchen und setzen ihnen Kronen aufs Haupt.

10Es kommt aber auch vor, dass die Priester das Gold und Silber von den Götzen stehlen und es für sich verwenden, ja sogar den Huren im Freudenhaus davon geben.

11Und sie schmücken die silbernen, goldenen und hölzernen Götzen mit Kleidern, als wären's Menschen.

12Die Götzen können sich aber nicht vor Rost und Motten schützen.

13Und wenn man ihnen ein Purpurkleid anzieht, so muss man ihnen den Staub des Tempels vom Gesicht abwischen, der dick auf ihnen liegt.

14Und der Götze trägt ein Zepter in der Hand wie ein König und kann doch niemand bestrafen, der ihm ein Leid antut.

15Er hat auch ein Schwert und eine Axt in der Hand; er kann sich aber des Kriegsvolks und der Räuber nicht erwehren. Daran sieht man deutlich, dass sie nicht Götter sind. Darum fürchtet sie nicht!

16Wie ein Gefäß, das ein Mensch braucht, nutzlos ist, wenn es zerbrochen wird, so sind ihre Götzen,

17wenn man sie in ihre Tempel setzt. Ihre Augen werden voll Staub von den Füßen derer, die hineingehen.

18Die Priester verwahren die Tempel der Götzen mit Türen, Schlössern und Riegeln, damit sie von den Räubern nicht gestohlen werden, so wie man einen gefangen setzt und verwahrt, der sich am König vergriffen hat und zum Tode verurteilt ist.

19Sie zünden ihnen Lampen an, sogar mehr als für sich selbst, von denen sie keine einzige sehen können.

20Die Götzen sind wie die Balken im Hause, deren Inneres, wie man sagt, herausgefressen wird; von den Würmern, die auf der Erde kriechen und sie und ihre Kleider fressen, fühlen sie nichts.

21In ihrem Angesicht sind sie schwarz vom Rauch im Hause.

22Und die Fledermäuse, Schwalben und andere Vögel setzen sich auf ihre Leiber und auf ihre Köpfe, ebenso auch die Katzen.

23Daran könnt ihr merken, dass es nicht Götter sind. Darum fürchtet sie nicht!

24Das Gold, mit dem man sie behängt, um sie damit zu schmücken, glänzt nicht, wenn man den Rost nicht abwischt. Nicht einmal, als sie gegossen wurden, fühlten sie es.

25Für teures Geld hat man sie gekauft, und es ist doch kein Leben in ihnen.

26Weil sie nicht gehen können, muss man sie auf den Schultern tragen; daran können die Leute sehen, wie nichtig sie sind.

27Es müssen sich auch die schämen, die ihnen dienen. Denn wenn die Götter zu Boden fallen, müssen sie von ihnen wieder aufgerichtet werden; wenn man sie aufrecht hinsetzt, können sie sich nicht von selbst bewegen; wenn sie sich zur Seite geneigt haben, können sie sich nicht aufrichten. Und wie Toten setzt man ihnen die Gaben vor.

28Was ihnen aber geopfert wird, das verkaufen und verbrauchen ihre Priester; ähnlich handeln auch ihre Frauen: Sie salzen davon ein und geben weder dem Armen noch dem Kranken etwas davon.

29Unreine Frauen und Wöchnerinnen rühren ihre Opfer an. Daran könnt ihr merken, dass es nicht Götter sind. Darum fürchtet sie nicht!

30Denn woher sollen sie Götter genannt werden? Denn Frauen setzen den silbernen, goldenen und hölzernen Götzen Speisen vor.

31Und die Priester sitzen in ihren Tempeln mit zerrissenen Gewändern, scheren den Bart ab und tragen Glatzen, sitzen da mit bloßen Köpfen,

32heulen und schreien vor ihren Götzen, wie es bei einem Begräbnis Sitte ist.

33Die Priester stehlen ihnen die Kleider und kleiden ihre Frauen und Kinder damit.

34Ob man ihnen Böses oder Gutes tut, sie können es doch nicht vergelten. Sie können einen König weder einsetzen noch absetzen.

35Ebenso können sie weder Geld noch Gut geben. Gelobt ihnen jemand etwas und hält es nicht, so werden sie es gewiss nicht einfordern.

36Sie können einen Menschen vom Tod nicht erretten noch einen Schwächeren dem Starken entreißen;

37sie können keinen Blinden sehend machen; sie können einem Menschen in der Not nicht helfen;

38sie erbarmen sich der Witwen nicht und tun den Waisen nichts Gutes.

39Denn sie sind aus Holz, mit Gold und Silber überzogen, den Steinen gleich, die man aus dem Berg haut. Darum müssen, die ihnen dienen, zuschanden werden.

40Wie soll man sie denn für Götter halten oder so nennen?

Ja, selbst die Chaldäer halten nichts von ihnen.

41Wenn sie einen Stummen sehen, der nicht reden kann, bringen sie den Bel herbei und fordern vom Stummen, er sollte zu ihm schreien, als ob Bel das vernehmen könnte.

42Und obwohl sie das wissen, vermögen sie nicht, die Götzen zu verlassen, die doch nichts vernehmen können.

43Die Jungfrauen aber sitzen an den Wegen, mit Stricken umgürtet, und räuchern Kleie.

44Und wenn jemand vorübergeht und eine von ihnen mitnimmt und bei ihr schläft, verspottet sie die andere, weil diese nicht so wert gewesen sei wie sie und ihr der Gürtel nicht gelöst wurde.

45Alles, was mit den Götzen geschieht, ist nichts als Betrug. Wie soll man sie denn für Götter halten oder so nennen?

46Von Künstlern und Goldschmieden sind sie gemacht; und was die Handwerker wollen, das muss daraus werden und nichts anderes.

47Und die sie gemacht haben, leben nicht lange. Wie sollten denn das Götter sein, die von ihnen gemacht worden sind?

48Sie hinterlassen ja den Nachkommen nichts als Betrug und Spott.

49Denn wenn Krieg oder sonst ein Unglück über sie kommt, beraten sich die Priester, wo sie sich zugleich mit den Götzen verbergen können.

50Wie sollte man da nicht merken, dass es keine Götter sind, wenn sie sich selber weder vor Krieg noch vor anderm Unglück schützen können?

51Denn da sie aus Holz und mit Gold und Silber überzogen sind, wird man zuletzt erkennen, dass es Truggebilde sind; allen Heiden und Königen wird offenbar werden, dass sie nicht Götter, sondern von Menschenhänden gemacht sind und dass keine Gotteskraft in ihnen ist.

52Darum kann jeder deutlich merken, dass es nicht Götter sind.

53Denn sie erwecken keinen König über ein Land, sie geben den Menschen nicht Regen

54und schaffen ihnen kein Recht, noch retten sie den, dem Unrecht geschieht; sie sind auch gar nicht dazu imstande, so wenig wie die Krähen, die in der Luft hin und her fliegen.

55Wenn im Hause der hölzernen, vergoldeten und versilberten Götzen Feuer ausbricht, so laufen die Priester davon und retten sich; die Götzen aber verbrennen wie Balken.

56Sie können weder Königen noch Feinden widerstehen. Wie soll man sie denn für Götter halten oder so nennen?

57Die hölzernen, versilberten und vergoldeten Götzen können sich vor Dieben und Räubern nicht schützen.

58Denn die sie in ihre Gewalt bekommen, die ziehen ihnen das Gold und Silber ab und das Gewand, mit dem sie bekleidet sind, und gehen damit fort; so können sie sich selber nicht helfen.

59Darum ist's viel besser, ein König zu sein, der seine Macht beweisen kann, oder ein nützlicher Hausrat zu sein, den der Besitzer gebrauchen kann, oder eine Tür, die das Haus verwahrt, oder eine hölzerne Säule in einem königlichen Saal, als solche ohnmächtigen Götzen.

60Sonne, Mond und Sterne, die hell scheinen und nützlich sein sollen, sind gehorsam.

61Ebenso ist auch der Blitz, wenn er aufleuchtet, herrlich anzusehen; ebenso weht der Wind in jedem Land;

62und die Wolken ziehen über die ganze Welt und tun, was Gott ihnen befiehlt.

63Auch das Feuer, das von oben her gesandt ist, um Berge und Wälder zu verzehren, tut, was ihm geboten ist.

64Die Götzen aber sind ihnen allen weder an Gestalt noch an Kräften zu vergleichen. Darum soll man sie nicht für Götter halten oder so nennen; denn sie können weder strafen noch den Menschen helfen.

65Weil ihr also wisst, dass es nicht Götter sind, so fürchtet euch nicht vor ihnen.

66Denn sie können Könige weder verfluchen noch segnen.

67Sie können auch keine Zeichen am Himmel den Heiden geben; sie können es nicht hell machen wie die Sonne noch einen Schein geben wie der Mond.

68Die unvernünftigen Tiere sind besser daran als sie; die können doch in eine Höhle fliehen und sich selber helfen.

69Darum ist uns auf jede Weise offenbar geworden, dass sie keine Götter sind. Darum fürchtet sie nicht!

70Denn wie eine Vogelscheuche, die im Garten nichts bewachen kann, so sind auch ihre hölzernen, vergoldeten und versilberten Götzen.

71Und wie eine Hecke im Garten ist, auf die sich mancherlei Vögel setzen, oder wie ein Toter, der im Grabe liegt, so sind ihre hölzernen, vergoldeten und versilberten Götzen.

72Auch daran kann man es merken, dass sie nicht Götter sind: Der Scharlach und die kostbare Leinwand, die sie umhaben, werden zerfallen und sie selbst endlich auch dazu, sodass alle über sie spotten.

73Wohl dem Menschen, der gerecht ist und keine Götzen hat! Der wird nicht zu Spott.