Messer / Dolch

1. Herstellung – Verwendung – Funde

Aus: G. Loud, Megiddo II. Seasons of 1935-39 (OIP 62), Chicago 1948, Pl. 178.3

Abb. 1 Bronzedolch mit Kalksteingriff (Megiddo; Mittelbronzezeit II).

Schneidewerkzeuge werden im Alltag in fast allen Lebensbereichen verwendet und gehören zu den ältesten Werkzeugen der Menschheit. Zunächst nutzte man zum Schneiden scharfkantige Steine, z.B. Feuersteine. Mit dem Aufkommen der Metallverarbeitung dürften bald die ersten Messer aus Metall hergestellt worden sein. In Palästina sind Messer aus Feuerstein seit dem Neolithikum belegt, aus Kupfer seit der Frühbronzezeit, aus Bronze seit der Mittelbronzezeit und aus Eisen seit der Eisenzeit (Weippert, 218).

Aus: P.L.O. Guy, Megiddo Tombs (OIP 33), Chicago 1938, Fig. 171

Abb. 2 Dolchklingen aus Kupfer (1,2,5), Bronze (5-13) und Eisen (14), zum Teil mit Griffen (Meggiddo; Frühbronzezeit [1-2], Mittelbronzezeit [5-6], Spätbronzezeit [7-13], Eisenzeit I [14]).

Messer bestehen aus einem Griff und einer Klinge. Für die Verbindung zwischen Griff und Klinge gab es unterschiedliche Konstruktionen. Die einfachste ist eine Umwicklung mit pflanzlichem Material. Löcher in der Klinge zeugen davon, dass ein z.B. aus Holz, Knochen oder → Elfenbein bestehender Griff mit Metallstiften an der Klinge befestigt war. Zur Klinge konnte aber auch ein Zapfen gehören, der in das Loch eines Steingriffs gesteckt (Abb. 1) oder in einen Holzgriff geschlagen war. Ferner konnte mit der Klinge ein dünner Metallgriff gegossen werden, an dem, um ihn handlicher zu machen, Platten aus Holz oder Elfenbein angebracht werden konnten.

Ein Dolch ist ein Messer, das als Waffe diente und oft in einer Scheide z.B. aus Leder am Körper getragen wurde. Seine Klinge hat nicht nur eine Schneideseite, sondern zwei.

2. Belege im Alten Testament

2.1. Schlachtmesser

Das Nomen מַאֲכֶלֶת ma’ǎkhælæt (4-mal) kommt von der Wurzel אכל ’kl „essen“ und bezeichnet demnach ein Messer zur Zubereitung von Speisen, dem Kontext der Belege nach ein „Schlachtmesser“, das zum Töten und Zerlegen eines Tieres verwendet wurde und entsprechend stabil gewesen sein muss. In der Erzählung von der Opferung → Isaaks will → Abraham ein solches Messer verwenden, angeblich um ein Opfertier, tatsächlich jedoch um seinen Sohn zu töten (Gen 22,6.10). In Ri 19,29 zerteilt ein Mann die Leiche seiner Frau, die zuvor in → Gibea geschändet worden war, mit einem Schlachtmesser in zwölf Stücke und verschickt diese im ganzen Land, um Israel gegen Gibea zu mobilisieren. Spr 30,14 charakterisiert gierige Menschen: Ihre Zähne sind Dolche, ihre Beißer sind Schlachtmesser.

2.2. Schermesser / Rasiermesser

Das Nomen מוֹרָה môrāh (3-mal) kommt vermutlich von ערה ‘rh „bloßlegen“ und bezeichnet ein Scher- bzw. Rasiermesser, das deutlich kleiner ist als ein Schlachtmesser. In der Ankündigung der Geburt → Simsons sagt ein Engel der angehenden, bis dahin jedoch unfruchtbaren Mutter, dass auf Simsons Kopf kein Schermesser kommen solle, da er ein → Nasiräer sein werde (Ri 13,5). Am Ende der Erzählung verrät Simson → Delila, dass seine Kraft darauf beruhe, dass ihm als Nasiräer nie ein Schermesser auf den Kopf gekommen sei (Ri 16,17). In der Geburtsgeschichte → Samuels spricht die unfruchtbare → Hanna im Heiligtum von → Silo ein → Gelübde: Wenn sie einen Sohn bekomme, werde sie diesen für immer Jahwe geben und kein Schermesser werde je auf seinen Kopf kommen (1Sam 1,11).

Auch תַּעַר ta‘ar, ebenfalls von ערה ‘rh „bloßlegen“, kann wohl ein Scher- bzw. Rasiermesser meinen (5-mal). → Nasiräer dürfen ein derartiges Messer während der Zeit ihrer Weihe nicht nutzen, sondern müssen sich die Haare wachsen lassen (Num 6,5). Zu dem in Num 8,7 beschriebenen Reinigungsritual der Leviten gehört, dass sie das Messer über ihren ganzen Körper fahren lassen, also ihre gesamte Körperbehaarung entfernen. In einem anderen Kontext kann eine derartige Ganzkörperrasur ein Zeichen der Schande sein (vgl. Jes 3,17). Als Unheil kündigt Jes 7,20 bildlich an, dass Gott einer nicht benannten Person mit einem Messer → Haupthaar, Schambehaarung und → Bart entfernen wird. Das Messer hat er aus Assyrien gemietet. Mit dem Bild von einer Rasur, mit der man Kriegsgefangene demütigte, soll dem Volkskörper Juda erniedrigendes Unheil angekündigt werden. Vielleicht in Aufnahme dieser Ankündigung erhält → Ezechiel den Auftrag zu einer Zeichenhandlung. Er soll ein Schwert als Rasiermesser nehmen und sich damit Kopfhaar und Bart abschneiden. Die Haare soll er vernichten und verstreuen, um damit Unheil anzukündigen (Ez 5,1). Bildlich kann der Psalmist die Zunge des Übeltäters mit einem geschärften Messer vergleichen (Ps 52,4).

תַּעַר ta‘ar kann auch das Messer bezeichnen, das zum Handwerkszeug eines → Schreibers gehört (nur Jer 36,23). Er benötigt es, um seinen Schreibstift zu spitzen sowie Leder- und Papyrusblätter zu schneiden (→ Schreibmaterial).

2.3. Schnitzmesser

מַעֲצָדma‘ǎṣād (2-mal) kommt von der Wurzel עצד ‘ṣd „schneiden“ und bezeichnet wohl ein Schnitzmesser, möglicherweise aber auch ein Beil (→ Hacke) oder eine Dechsel (Weippert [/Galling], 148). Im Kontext der Polemik gegen Götterbilder besagt Jer 10,3, dass ein Handwerker einen Baumstamm mit diesem Werkzeug bearbeitet. Im masoretischen Text fällt der Begriff auch in Jes 44,12, doch ist der Wortlaut des Textes umstritten (Elliger, 409f).

2.4. Winzermesser

מַזְמֵרָה mazmerāh (4-mal) kommt von זמר zmr1 „schneiden“, speziell „Reben beschneiden“ (Lev 25,3-4; Jes 5,6) und bezeichnet demnach ein „Winzermesser“ (ein maqtil als Kausativ-Partizip, verwendet üblicherweise bei Werkzeugen; vgl. Bauer-Leander § 61.2). In Jes 18,5 bietet das Beschneiden von Reben mit einem derartigen Messer im Kontext eines Völkerspruchs ein Bild für das kommende Gericht. In einer Vision vom künftigen Friedensreich kündigen Jes 2,4 // Mi 4,3 an, dass die Völker ihre → Schwerter zu Pflugscharen und ihre Speere zu Winzermessern schmieden werden. In Erwartung eines eschatologischen Gerichts ruft Joel 4,10 umgekehrt dazu auf, die Winzermesser zu Speeren zu schmieden.

Die → Septuaginta übersetzt מַזְמֵרָה mazmerāh mit δρέπανον drepanon „Sichel“. Im Neuen Testament ist im Kontext der Ernte, die als Bild für das eschatologische Gericht zu verstehen ist, auch von einer Sichel (δρέπανον drepanon) als Erntewerkzeug die Rede (Mk 4,29). In Apk 14,14-16.17-20 sieht der Verfasser in zwei Durchgängen visionär eine himmlische Gestalt mit einer Sichel, die sie dem Befehl eines Engels gehorchend auf die Erde wirft, welche daraufhin abgeerntet wird. Da es im zweiten Durchgang um die Ernte von Trauben geht, übersetzt die Lutherbibel (1984/2017) δρέπανον drepanon hier nicht mehr mit „Sichel“, sondern mit „Winzermesser“. Ansonsten ist von Messern im Neuen Testament keine Rede.

2.5. Messer im Tempel

Auch מְזַמֶּרֶת məzammæræt (5-mal) kommt von der Wurzel זמר zmr1 „schneiden“ (Intensiv-Stamm) und bezeichnet ein Messer. Da der Begriff nur im Zusammenhang mit den Jerusalemer Tempelgeräten verwendet wird, ist vielleicht ein spezielles Messer gemeint. Nach 1Kön 7,50 (// 2Chr 4,22) gehörten zu den Tempelgeräten Messer aus Feingold. Bei der Plünderung Jerusalems 587 v. Chr. (→ Zerstörung Jerusalems) sind sie von den Babyloniern erbeutet worden (2Kön 25,14 // Jer 52,18). Nach 2Kön 12,14 ist eine bestimmte Kollekte zur Zeit von König → Joasch nicht für Tempelgeräte wie Messer verwendet worden.

2.6. Kleines Messer

Das Hapaxlegomenon שַׂכִּין śakkîn von der Wurzel שׂכך śkk* „spitz sein“ (vgl. שִׂכִּים śikkîm „Dornen“, Num 33,55) bezeichnet vielleicht ein kleines Messer, möglicherweise jedoch ein einer Ahle vergleichbares Stechwerkzeug. Jedenfalls rät Spr 23,2 dem, der beim Essen gierig ist, sich mit diesem Gerät an die Kehle zu gehen.

2.7. Schwert / Dolch

Das häufig belegte Nomen חֶרֶב ḥæræv bedeutet normalerweise „Schwert“. An einigen Stellen dürfte jedoch ein Dolch gemeint sein. Beide waren beidseitig geschärft und hatten eine Spitze, vor allem dienten sie nicht als Werkzeug, sondern als Waffe und konnten vielleicht deswegen mit dem gleichen Begriff bezeichnet werden. Der Richter → Ehud ersticht den moabitischen König → Eglon mit einem Dolch, der einen „Gomed“ lang ist (Ri 3,16.21.22). Wie lang dieses Maß ist, wissen wir nicht (→ Maße). Da sich die Waffe jedoch gut unter dem Gewand verbergen lässt und nach dem Attentat Klinge samt Griff im Bauch des – freilich als dick beschriebenen – Königs stecken, dürfte der Erzähler kaum an ein Schwert, sondern an einen Dolch gedacht haben. Ob bei der Waffe, mit der → Joab den → Amasa ermordet (2Sam 20,8.10), an einen Dolch (so Lutherbibel) oder an ein Schwert (so die meisten deutschen Übersetzungen) zu denken ist, lässt sich kaum sagen. Zu Spr 30,14 s.o.

Nach Jos 5,2-3 sollten die während der → Wüstenwanderung geborenen Israeliten, da sie nicht beschnitten worden waren, ihre → Beschneidung vor dem Einzug ins Westjordanland nachholen. Auffälligerweise soll die Beschneidung mit „Klingen (חֶרֶב ḥæræv) aus Felsgestein“ durchgeführt werden. Dass hier wie bei der Beschneidung von Moses Sohn (Ex 4,25) ein scharfkantiger Feuerstein als Messer dient, soll dem Ritual wohl einen archaischen Charakter verleihen.

1Kön 18,28 beschreibt, wie Baalspriester ihren Gott anrufen und sich dabei – wie bei ihnen üblich – mit Schwertern selbst blutige Verletzungen beibringen. Die Lutherbibel übersetzt חֶרֶב ḥæræv hier mit „Messer“, doch wählt der Erzähler vermutlich bewusst den Begriff „Schwert“, um das Geschehen möglichst drastisch darzustellen.

2.8. Weitere Stellen

בַּרְזֶל barzæl bedeutet „Eisen“. In Spr 27,17 bezieht sich „Eisen schärft man mit Eisen“ auf Klingen und damit vermutlich auf Messer. Deswegen übersetzt die Lutherbibel: „Ein Messer wetzt das andre“.

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Reallexikon der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie, Berlin 1928-2018 (Hausgeräte 1B)
  • Biblisch-historisches Handwörterbuch, Göttingen 1962-1979 (Dolch; Messer)
  • Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977 (Dolch und Schwert; Holzbearbeitung; Messer; Schreibmaterial)
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Band 7: Das Haus, Hühnerzucht, Taubenzucht, Bienenzucht (SDPI 10. BFChTh.M 48), Gütersloh 1942
  • Elliger, K., Deuterojesaja I. Jesaja 40,1-45,7 (BK XI/1), Neukirchen-Vluyn 1978
  • Weippert, H., Art. Messer, in: Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977, 218-219
  • Weippert, H. (/ Galling, K.), Art. Holzbearbeitung, in: Biblisches Reallexikon, 2. Aufl., Tübingen 1977, 147-149
  • Wildberger, H., Jesaja, 1. Teilband, Jesaja 1-12 (BK X/1), Neukirchen-Vluyn 1972

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Bronzedolch mit Kalksteingriff (Megiddo; Mittelbronzezeit II).
  • Aus: G. Loud, Megiddo II. Seasons of 1935-39 (OIP 62), Chicago 1948, Pl. 178.3
  • Abb. 2 Dolchklingen aus Kupfer (1,2,5), Bronze (5-13) und Eisen (14), zum Teil mit Griffen (Meggiddo; Frühbronzezeit [1-2], Mittelbronzezeit [5-6], Spätbronzezeit [7-13], Eisenzeit I [14]).
  • Aus: P.L.O. Guy, Megiddo Tombs (OIP 33), Chicago 1938, Fig. 171

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