Spreu

1. Bezeichnungen

Der hebräische Terminus für Spreu lautet מֹץ moṣ, der griechische ἅχυρον achyron.

2. Alltagspraktische Bedeutung

© public domain (Foto: Ludwig Koenen, 1964)

Abb. 1 Beim Worfeln auf der Tenne wird das geerntete Getreide mit der Worfelschaufel in die Luft geworfen, wobei sich die Spreu vom Weizen trennt (Foto: Ägypten, 20. Jh.).

Spreu ist ein beim → Dreschen des Getreides anfallendes Abfallprodukt: Wenn das Getreide mit dem Dreschschlitten gedroschen war, wurde es auf der → Tenne geworfelt, d.h. mit einer Worfschaufel mehrfach in die Luft geworfen. Dadurch wurde das Korn von der Spreu getrennt: Die schwereren Körner fielen zu Boden, die Spreu dagegen wurde vom Winde verweht. Was davon übrig blieb, verbrannte man.

3. Metaphorik

Die Metaphorik setzt die alltagspraktischen Vorgänge voraus. Auf das Verwehen der Spreu nehmen verschiedene Bildworte Bezug: In einem Heilswort wird Israel angekündigt, dass Berge und Hügel zur Spreu werden sollen: Alle Hindernisse, die sich Israel bei seiner Rückkehr aus dem Exil in den Weg stellen, sollen beseitigt werden (Jes 41,15f). Jes 17,13 und Jes 29,5 vergleichen dagegen die Feinde mit der Spreu: Trotz ihrer Menge sollen sie wie die Spreu rasch und spurlos verschwinden. Ähnlich soll es den Gottlosen ergehen. Anders als der Gerechte, der wie ein Baum an Wasserkanälen fest und dauerhaft gepflanzt ist, vergehen sie wie Spreu und haben keinen Bestand (Ps 1,4; vgl. Ps 35,5). Dagegen stellt Hi 21,18 bezogen auf die Frevler die fast pessimistische Frage: „Werden sie wie Spreu vom Sturmwind weggeweht?“ Und die zu erwartende Antwort ist: Es geschieht selten. Auch die Unheilsprophetie verwendet das Bild von der verwehenden Spreu, nun aber bezogen auf Israel, um das vernichtende Unheil ohne Rettungsperspektive zu verdeutlichen (Zef 2,2; vgl. Hos 13,3).

Nach Dan 2,35 wird der vom König → Nebukadnezar geschaute, aus verschiedenen kostbaren Materialien fabrizierte Statuenkoloss pulverisiert und wie Spreu spurlos in alle Winden verstreut – Sinnbild für Niedergang und Zerstörung des babylonischen Reiches.

Im Neuen Testament wird auf das Verbrennen der Spreu Bezug genommen: Johannes der Täufer kündigt den nach ihm kommenden Jesus mit den Worten an: „Die Spreu wird er verbrennen mit unauslöschlichem Feuer“ (Mt 3,12; vgl. Lk 3,17).

Literaturverzeichnis

Literatur-Recherche Index Theologicus

Literatur-Recherche Biblische Bibliographie Lausanne

1. Lexikonartikel

  • Theologisches Wörterbuch zum Alten Testament, Stuttgart u.a. 1973-2015
  • Neues Bibel-Lexikon, Zürich u.a. 1991-2001
  • Exegetisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 2. Aufl., Stuttgart u.a. 1992
  • Calwer Bibellexikon, 2. Aufl., Stuttgart 2006

2. Weitere Literatur

  • Dalman, G., Arbeit und Sitte in Palästina, Bd. III, Gütersloh 1933, 126-139
  • Riede, P., Der Gerechte wird wachsen wie eine Zeder auf dem Libanon“ (Psalm 92,11). Pflanzenmetaphorik in den Psalmen, in: ders., Schöpfung und Lebenswelt. Studien zur Theologie und zur Anthropologie des Alten Testaments (MThSt 106), Leipzig 2009, 19-42

Abbildungsverzeichnis

  • Abb. 1 Beim Worfeln auf der Tenne wird das geerntete Getreide mit der Worfelschaufel in die Luft geworfen, wobei sich die Spreu vom Weizen trennt (Foto: Ägypten, 20. Jh.). © public domain (Foto: Ludwig Koenen, 1964)

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