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7.02. Das Buch Judit (Jdt)

Gattung

Das Buch Judit ist ein historischer Roman, wie er in der hellenistischen Zeit häufig innerhalb und außerhalb des Judentums erzählt wurde. Anhand bestimmter Episoden aus der Geschichte wollten die Autoren über drängende Probleme der Gegenwart aufklären. Wie im Tobitbuch wird auch hier sehr frei mit geschichtlichen und geographischen Einzelheiten umgegangen. Nicht historische Genauigkeit war das Ziel des Autors, sondern die Darstellung eines Grundkonfliktes zwischen widergöttlicher Großmacht und dem gefährdeten Volk Israel. Das geht so weit, dass die Erzählung an einem Ort namens Betulia in Israel lokalisiert wird, den es gar nicht gegeben hat.

Das Buch lebt jedoch nicht von historischer Exaktheit, sondern von einem weit gespannten Beziehungsgeflecht zu anderen biblischen Büchern. Die Titelheldin Judit (der Name bedeutet nur: „Jüdin“) trägt Züge von Mirjam (Ex 15), Debora und Jaël (Ri 4-5) und der klugen Frau von Abel Bet-Maacha (2Sam 20,14ff.). Wie David dem Goliat (1Sam 17), schlägt sie ihrem Gegner das Haupt mit dessen eigenem Schwert ab. Die Erzählung steht damit in einem breiten Traditionsstrom jüdischer Literatur, die die älteren, autoritativen Schriften auf eine veränderte Gegenwart hin auslegt.

Inhalt

Der Inhalt des Buches ist kunstvoll komponiert, so dass es noch immer gut zu lesen und nachzuvollziehen ist: Der Assyrerkönig Nebukadnezzar (historisch war er allerdings Herrscher der Neubabylonier) beschließt einen Feldzug gegen die Meder und sucht dafür Unterstützung bei den westlich bis hin zum Mittelmeer wohnenden Völkern. Diese jedoch verweigern ihre Unterstützung. Nachdem Nebukadnezzar dennoch Medien erobern konnte, beauftragt er seinen Feldherrn Holofernes, eine Strafexpedition in den Westen durchzuführen. Holofernes hat Erfolg und vernichtet vor allem die fremden Heiligtümer, um zu erreichen, dass sein König künftig von allen als Gott angebetet wird (Kap. 1-3).

Als das assyrische Heer vor Judäa liegt, ist dort die Bestürzung groß. Alle Männer Israels flehen zu Gott, dass er ihre Not wenden möge (Kap. 4). Indessen warnt der Ammoniter (!) Achior den Holofernes vor einem Angriff gegen die Israeliten. Ihr Gott nämlich habe sie sicher durch die ganze Geschichte geführt und werde sie auch diesmal gewisslich nicht im Stich lassen. Die Assyrer liefern Achior für diesen Zweifel an der göttlichen Macht ihres Heeres den Israeliten aus, damit er bei deren sicherem Untergang den verdienten Tod erleide (Kap. 5-6).

Als die Assyrer zur Belagerung von Betulia ansetzen, verlieren die Einwohner Mut und Gottvertrauen und sind zur Übergabe ihrer Stadt bereit (Kap. 7). Doch da hält die gottesfürchtige Witwe Judit eine flammende Rede, durch die sie den Kleinglauben der Belagerten wendet. Nach einem Gebet zu Gott macht sie sich selbst auf, die Rettung Israels zu bewirken (Kap. 8-9). In verführerische Gewänder gekleidet, verschafft sie sich Zutritt in das assyrische Lager und in Holofernes Umgebung, indem sie in Aussicht stellt, ihm den Weg nach Jerusalem zu zeigen. Als Holofernes nach einem Gelage betrunken ist, tötet Judit ihn mit seinem eigenen Schwert und entkommt, das abgeschlagene Haupt des Feldherrn in einem Kleidersack mit sich tragend. Bei ihrem Aufenthalt im Lager hatte sich Judit weder durch Speise und Trank verunreinigt, noch ihre Gebete zu Gott aufgegeben (Kap. 10-13). Als die Assyrer am nächsten Morgen, von einem Ausfall der Gegner überrascht, den Tod ihres Anführers bemerken, fliehen sie in Panik (Kap. 14-15). Wie einst Mirjam am Schilfmeer setzt Judit nach der Rettung zu einem Loblied Gottes an. Sie stirbt in hohem Alter, von ganz Israel betrauert (Kap. 16).

Entstehung

Verschiedene Einzelzüge der Erzählung erinnern an Elemente des Danielbuches, so das Motiv des gottesfürchtigen Heiden Achior in Kap. 5, das an das Bekenntnis des Perserkönigs Darius in Dan 6,26-28 erinnert. Interessanter noch sind inhaltliche Parallelen, denn in beiden Büchern geht es um die Frage, wer denn wirklich die Macht habe: JHWH oder die fremden Könige (vgl. Dan 2; 7). Daher ist die Entstehung des Juditbuches in der Forschung häufig kurz nach der Endredaktion des Danielbuches angesetzt worden, also ab ca. 150 v. Chr. Doch wird sich hier ein sicheres Urteil kaum erlangen lassen, da die Darstellung auch für andere historische Situationen offen ist.

Es ist strittig, ob das Buch in Palästina oder Ägypten entstanden ist und ob es ursprünglich hebräisch/aramäisch abgefasst war. Allerdings sind keine alten semitischen Textzeugen erhalten, was eher für ein griechisches Original spricht. Außerdem wird an wichtigen Stellen auf die Septuaginta-Übersetzung Bezug genommen. So verweisen etwa 9,7 und 16,2 mit „der Herr zerschlägt Kriege“ auf die griechische Version des Siegesliedes in Ex 15,3; im hebräischen Text heißt es dagegen: „der Herr ist ein Kriegsmann“. Wie beim Tobitbuch sind die griechischen und lateinischen Textüberlieferungen und in der Folge auch die deutschen Übersetzungen uneinheitlich; alte Ausgaben der Lutherbibel folgten dem lateinischen Text.

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Die Texte auf dieser Seite sind mit freundlicher Genehmigung übernommen aus:

Cover der Bibelkunde des Alten Testaments von Martin Rösel

Rösel, Martin: Bibelkunde des Alten Testaments. Die kanonischen und apokryphen Schriften. Mit Lernübersichten von Dirk Schwiderski, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 11., veränd. Aufl. 2021.

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